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Therapie · 5 Min. Lesezeit · Stand: Juli 2026

Vaginale Trockenheit & Sexualität unter Anti-Hormon-Therapie

Tabuthema, klinisch unterversorgt, was bei vaginaler Atrophie unter AI/Tamoxifen wirklich hilft, und wann eine lokale Hormongabe diskutiert werden kann.

Warum es passiert

Aromatase-Hemmer (Anastrozol, Letrozol, Exemestan) und Tamoxifen senken die Östrogen-Wirkung systemisch, und damit auch lokal an der Vaginalschleimhaut. Folge: dünnere, weniger elastische Schleimhaut, Trockenheit, Brennen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), erhöhte Anfälligkeit für Harnwegsinfekte. Unter AI sind diese Symptome ausgeprägter als unter Tamoxifen. Sie können massiv die Lebensqualität und partnerschaftliche Beziehungen belasten, sie SIND ein medizinisches Thema, kein 'Damit-müssen-Sie-leben'.

Erste Stufe: nicht-hormonelle Optionen

Hyaluronsäure-haltige Vaginalgele (z.B. Hyalofemme, RepHresh): regelmäßig (2-3x/Woche) angewendet, nicht nur vor Geschlechtsverkehr. Vaginale Befeuchter (Replens, Vagisan FeuchtCreme): polyacrylsäure- oder lipidbasiert. Gleitmittel beim Geschlechtsverkehr (silikon- oder wasserbasiert, KEINE öl-/petroleumbasierten Produkte mit Latex-Kondomen). Beckenboden-Physiotherapie kann bei Schmerzen helfen.

Lokale Östrogene, die kontroverse Option

Lokal applizierte Östrogen-Cremes oder -Tabletten (z. B. niedrigdosiertes Estriol, vaginal) führen nur zu minimalen systemischen Östrogen-Spiegeln. Die AGO Mamma 2026 bewertet sie nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung als möglich, vor allem bei schwerer Belastung und nach Versagen nicht-hormoneller Optionen. WICHTIG: Diese Entscheidung gehört in die Gespräche mit Onkologie und Gynäkologie. Bei aktiv metastasierter Erkrankung und unter laufender AI-Therapie wird oft restriktiver entschieden. DHEA-Vaginal-Suppositorien (Prasterone, Intrarosa) sind eine weitere Option, unter aktiver AI-Therapie aber nicht ausreichend abgesichert (lokale Aromatisierung des entstehenden Testosterons zu Östradiol möglich); unter Tamoxifen ist die Datenlage etwas günstiger. Entscheidung interdisziplinär.

Was die Nicht-Hormon-Option Lasertherapie betrifft

Vaginale CO2-Laser-Behandlungen werden vermarktet als Alternative, die wissenschaftliche Evidenz ist UNZUREICHEND, mehrere RCTs (Cruz JAMA 2018) zeigten keinen Vorteil gegenüber Plazebo. Bei Brustkrebs-Patientinnen ist die Lasertherapie aktuell NICHT als evidenzbasierter Standard zu empfehlen.

Was du tun kannst

Sprich das Thema offen an, bei deinem Onkologen oder deiner Onkologin und/oder Gynäkologin. Die Standardlösung ist eine Kombination aus regelmäßigem Hyaluron-Gel + Gleitmittel + offener Kommunikation in der Partnerschaft. Bei starker Belastung trotz dieser Maßnahmen die lokal hormonelle Option als interdisziplinäre Entscheidung evaluieren.

Quellen

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