Alltag & Tipps · 6 Min. Lesezeit · Stand: Juli 2026
Knochenschutz unter AI, die wichtigsten Bausteine
Osteoporose-Prävention von Anfang an: Bewegung, Calcium, Vit D, Bisphosphonate.
Warum AI die Knochen angreifen
Östrogen schützt die Knochen, indem es Osteoklasten (knochenabbauende Zellen) hemmt. Unter AI sinkt Östrogen auf <10% des prämenopausalen Werts → beschleunigter Knochenabbau. Erste 2 Jahre AI: Knochendichte sinkt 4-5× schneller als bei normaler Postmenopause. Frakturrisiko steigt um 30-50% (ATAC, BIG 1-98).
Diagnose und Monitoring
DXA-Scan (Dual-Energy X-ray Absorptiometry) als Baseline VOR AI-Start. Wiederholung: alle 1-2 Jahre. T-Score: > -1 normal, -1 bis -2,5 Osteopenie, < -2,5 Osteoporose. Bei T-Score < -2,0 oder Risikofaktoren (Alter, Familie, Frakturen, Rauchen) ist Bisphosphonat-Therapie evidenzbasiert empfohlen.
Bewegung, die nicht-medikamentöse Basis
Krafttraining 2×/Woche (eigenes Körpergewicht reicht, Liegestütze, Kniebeugen, Plank). Mechanische Belastung stimuliert Osteoblasten. Joggen, Tanzen, Wandern besser als Schwimmen oder Radfahren (mehr Knochenstimulus). Yoga: vorsichtig, extreme Vorbeugen können bei Osteoporose Wirbelfrakturen begünstigen, daher knochenfreundliche Asana-Auswahl.
Calcium und Vitamin D
Calcium 1000 mg/d (Postmenopause 1200 mg). Bevorzugt aus Lebensmitteln: Joghurt, Käse (Bergkäse, Pecorino, Hartkäse), Sardinen mit Gräten, Sesammus, calcium-angereicherte Pflanzendrinks, kalziumreiches Mineralwasser (≥150 mg/L). Vitamin D 1000-2000 IE/d je nach Spiegel; 25-OH-Vit-D im Serum 30-50 ng/ml. Bei niedrigen Werten ärztliche Begleitung.
Bisphosphonate / Denosumab
Hier laufen zwei verschiedene Ziele zusammen, die man auseinanderhalten sollte. Erstens der reine Knochenschutz gegen den AI-bedingten Knochenabbau: Liegt eine behandlungsbedürftige Osteoporose vor, ist Denosumab 60 mg s.c. alle 6 Monate eine etablierte Option, in Deutschland für die Osteoporose zugelassen; Zoledronat als jährliche Infusion ist eine Alternative aus der Osteoporose-Therapie. Der besondere Nutzen unter Aromatasehemmer ist gut belegt (ABCSG-18, Gnant Lancet 2015), auch wenn diese spezielle Indikation, anders als in den USA, nicht eigens im deutschen Zulassungstext steht. Zweitens die adjuvante Gabe von Zoledronat 4 mg i.v. alle 6 Monate über 3 bis 5 Jahre bei postmenopausalen, hormonrezeptor-positiven Patientinnen: Diese dient in erster Linie der Rückfall- und Metastasenreduktion, nicht primär dem Knochenschutz (EBCTCG-Meta-Analyse, Coleman Lancet 2015). Sie ist in Deutschland off-label, seit Juli 2024 aber per G-BA-Beschluss ausdrücklich verordnungsfähig. Der Knochenschutz ist dabei ein willkommener Zusatzeffekt, nicht der Grund der Verordnung. Wichtig in beiden Fällen: Zahnarzt-Sanierung VOR Therapiestart wegen des Risikos einer Kieferosteonekrose bei späteren Zahneingriffen.