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HER2-ultralow: Was die neuen Studien zeigen
Ein als HER2 0 gemeldeter Tumor ist nicht immer wirklich HER2-null. Warum die genaue Befundung inzwischen über eine Therapieoption entscheiden kann.
Worum es geht
HER2 ist ein Eiweiß auf der Oberfläche von Tumorzellen. Lange galt: entweder HER2-positiv oder HER2-negativ. Seit einigen Jahren wird die Gruppe dazwischen wichtig. HER2-low bezeichnet Befunde mit schwacher HER2-Färbung (IHC 1+ oder 2+ ohne Genvermehrung). Neuer ist der Begriff HER2-ultralow: formal IHC 0, aber mit einer sehr schwachen, unvollständigen Membranfärbung in einem Teil der Zellen.
Was die Studien fanden
Vorläufig
Die Studie DESTINY-Breast06 (Bardia und Kollegen, 2024) untersuchte das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Deruxtecan bei fortgeschrittenem, hormonrezeptor-positivem Brustkrebs nach endokriner Vortherapie. Der Hauptnachweis galt der größeren HER2-low-Gruppe. Zusätzlich war eine kleinere, vorab definierte Gruppe mit HER2-ultralow eingeschlossen. Dort war das progressionsfreie Überleben unter der Behandlung im Mittel länger als unter Chemotherapie (13,2 gegenüber 8,3 Monate). Diese Auswertung war allerdings exploratorisch und wegen der geringen Gruppengröße statistisch nicht abgesichert; sie war jedoch mit dem klaren Ergebnis in der HER2-low-Gruppe konsistent. Damit rückte eine Untergruppe in den Blick, die früher schlicht als HER2-negativ geführt wurde.
Warum die Befundung heikel ist
Die Abgrenzung von echtem HER2 0 und HER2-ultralow ist mit dem bloßen Auge schwierig und fällt zwischen verschiedenen Pathologen unterschiedlich aus. Eine Multicenter-Untersuchung (Wu und Kollegen, 2025) zeigte, wie gering die Übereinstimmung sein kann. Eine internationale Expertengruppe hat deshalb 2026 präzisere Konsens-Empfehlungen zur HER2-Befundung veröffentlicht (Rakha und Kollegen), um die niedrigen Kategorien einheitlicher zu bewerten.
Einordnung
Das ist kein Automatismus und keine Handlungsanweisung. Es ist ein Punkt für das Gespräch mit dem behandelnden Team: Bei einem als HER2 0 gemeldeten Befund kann die genaue HER2-Nachbefundung ein Thema für dieses Gespräch sein, weil sich daraus im metastasierten Setting eine zusätzliche Therapieoption ergeben kann. Diese Therapie ist verschreibungspflichtig, kommt nur im fortgeschrittenen Setting in Betracht und ist nicht für jede geeignet. Ob sie im Einzelfall infrage kommt, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.