Vorab-Einblick. Noch nicht im App Store. Medizinische und rechtliche Prüfung laufen.

Therapie · 5 Min. Lesezeit · Stand: Juli 2026

HER2-low: Eine eigene Subgruppe seit DESTINY-Breast04

Was 'HER2-low' bedeutet, warum es seit 2022 therapierelevant ist und welche Patientinnen für Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd) in Frage kommen.

Was ist HER2-low?

HER2 (Human Epidermal Growth Factor Receptor 2) wird im Pathologiebefund klassifiziert: IHC 0, 1+, 2+ (mit nachfolgendem ISH-Test) oder 3+. 'HER2-low' bezeichnet die Befunde IHC 1+ ODER IHC 2+ ohne ISH-Amplifikation. Bis 2022 wurden diese Tumoren klinisch wie HER2-negativ behandelt, seit der DESTINY-Breast04-Studie (Modi NEJM 2022) gelten sie als eigene therapierelevante Subgruppe.

Warum ist die Unterscheidung wichtig?

Im metastasierten Setting kommt für HER2-low-Patientinnen das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd, Enhertu) in Betracht. DESTINY-Breast04 zeigte: T-DXd vs. Standard-Chemo verlängerte progressionsfreies Überleben (9,9 vs. 5,1 Monate, HR 0,50) und Gesamtüberleben (23,4 vs. 16,8 Monate, HR 0,64) signifikant. DESTINY-Breast06 (Bardia NEJM 2024) erweiterte das Konzept auf HER2-ultralow (IHC 0 mit Membranfärbung) und auf das chemo-naive Setting bei HR+ nach endokriner Vortherapie. Aktuelle Indikation (EMA / AGO Mamma 2026): metastasiertes HER2-low (IHC 1+ oder 2+/ISH−), bei HR+ nach endokriner Vortherapie (mit DB06 auch chemo-naiv möglich), bei TNBC nach ≥1 Chemo-Linie. Seit DB06 ist auch HER2-ultralow eine Indikation.

HER2 0 ist nicht gleich HER2 0

Seit HER2-ultralow eine Therapieoption sein kann, gewinnt die genaue Befundung an Bedeutung. HER2-ultralow bedeutet: formal IHC 0, aber mit schwacher, unvollständiger Membranfärbung in bis zu 10 Prozent der Tumorzellen. Diese Abgrenzung zu einem echten HER2-Nullbefund ist schwierig und zwischen Pathologen nur gering übereinstimmend (Wu et al., ESMO Open 2025). Weil daran inzwischen die Frage hängt, ob T-DXd in Betracht kommt, empfehlen Fachgesellschaften, HER2-0-Befunde sorgfältig und im Zweifel durch einen zweiten Befunder zu prüfen (Rakha et al., Modern Pathology 2026). Für dich heißt das: ein als HER2 0 gemeldeter Tumor kann bei genauer Nachbefundung als HER2-ultralow eingestuft werden und damit im metastasierten Setting für T-DXd in Frage kommen. Das ist kein Automatismus, sondern ein Punkt für das Gespräch mit deinem Behandlungsteam.

Was du tun kannst

Wenn dein Befund 'HER2 negativ' lautet, frage konkret nach: 'Was war der IHC-Score? 0, 1+ oder 2+/ISH-? Bin ich HER2-low?' Im metastasierten Setting kann das den Unterschied zwischen Standard-Chemo und T-DXd machen. Im frühen (kurativen) Setting ist HER2-low aktuell NICHT therapie-entscheidend, die Klassifikation ist hier vor allem für die Therapie-Reserve im Falle eines Rezidivs relevant.

Typische T-DXd-Nebenwirkungen, was beobachten

Die wichtigste Nebenwirkung ist die interstitielle Lungenerkrankung (ILD/Pneumonitis), die in den DESTINY-Studien bei ca. 10% der Patientinnen auftrat (selten, aber potenziell lebensbedrohlich). RED FLAG: neuer/zunehmender Husten, Atemnot, Belastungsdyspnoe, sofort dem Behandlungsteam melden. Außerdem häufig: Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Haarausfall, Neutropenie. Regelmäßige Bildgebungs-Kontrolle (alle 6-9 Wochen) ist Standard.

Quellen

← Alle Themen