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Therapie · 5 Min. Lesezeit · Stand: Juli 2026

Fertilitätsschutz vor Chemotherapie

Welche Optionen es gibt, deine Fruchtbarkeit zu schützen, und warum das Gespräch VOR Therapiebeginn so wichtig ist.

Warum Fertilitätsschutz wichtig ist

Chemotherapie kann die Eierstöcke schädigen, abhängig von Substanz, Dosis, Alter und Ovar-Reserve. Cyclophosphamid-haltige Schemata (z. B. EC, AC) haben das höchste Risiko für Premature Ovarian Insufficiency (POI). Auch wenn die Periode nach Chemo wiederkehrt, ist die ovarielle Reserve oft reduziert, und die Zeit bis zur natürlichen Menopause verkürzt. Besprich Familienplanung mit dem Behandlungsteam VOR Therapiebeginn, manche Optionen sind danach nicht mehr verfügbar.

GnRH-Agonisten zur Ovar-Protektion

Goserelin (Zoladex) oder Leuprorelin werden während der Chemotherapie alle 4 Wochen injiziert und versetzen die Eierstöcke in einen 'Ruhezustand'. Die POEMS-Studie (Moore NEJM 2015, n=257) zeigte bei prämenopausalen Frauen mit HR-negativem frühen Brustkrebs: Goserelin parallel zur Chemo halbierte das POI-Risiko (8% vs. 22%) und erhöhte die Schwangerschaftsrate. Die Evidenz für HR-positive Tumoren ist weniger klar, der Ansatz wird aber häufig auch dort genutzt.

Kryokonservierung, Eizellen oder Ovargewebe

Eizellenentnahme nach hormoneller Stimulation ist die etablierteste Methode (Schwangerschaftsraten 30-60% pro Eizell-Bank, abhängig vom Alter). Bei Brustkrebs-Patientinnen wird die Stimulation oft mit Letrozol kombiniert, um die kurzfristige Östrogen-Belastung zu minimieren (Oktay-Protokoll). Alternative: Ovarialgewebe-Kryokonservierung, hier wird ein Stück Eierstock entnommen, eingefroren und nach abgeschlossener Therapie reimplantiert. Beide Verfahren brauchen 2-4 Wochen Vorlauf, Therapiebeginn muss ggf. abgestimmt werden.

Schwangerschaft NACH Brustkrebs

Die POSITIVE-Studie (Partridge NEJM 2023, n=518) ist eine Single-Arm-Studie: Stadium-I-III-HR+-Patientinnen, die nach ≥18 Monaten adjuvanter endokriner Therapie eine Pause (max. 2 Jahre) für Schwangerschaft einlegten und die endokrine Therapie danach wieder aufnahmen, zeigten in der 3-Jahres-Auswertung KEIN messbar höheres Rezidivrisiko gegenüber einer historischen Vergleichskohorte (8,9 % vs. erwartete 9,2 %). Langzeit-Follow-up läuft. Eine Schwangerschaft nach Brustkrebs ist möglich, Timing, Voraussetzungen (≥18 Monate ET) und klare Wiederaufnahme-Planung der ET müssen individuell mit Onkologie und Reproduktionsmedizin geplant werden.

Praktischer Pfad

Bei Diagnosestellung explizit ansprechen: 'Ich möchte mit einer Reproduktionsmedizinerin/einem Reproduktionsmediziner sprechen, bevor die Chemo beginnt.' Spezialisierte Zentren (FertiPROTEKT-Netzwerk in Deutschland, Österreich, Schweiz) haben Erfahrung mit zeitkritischen onkologischen Patientinnen. Kostenübernahme: in Deutschland seit 2021 unter bestimmten Voraussetzungen Kassenleistung (§27a SGB V) für Eizell-/Ovargewebe-Kryokonservierung bei Krebspatientinnen unter 40 Jahren.

Quellen

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