Alltag & Tipps · 7 Min. Lesezeit · Stand: Juli 2026
Fatigue, der unsichtbare Begleiter
Krebsbedingte Erschöpfung, ihre Ursachen und wirksame Strategien.
Was Fatigue ist (und nicht ist)
Cancer-Related Fatigue (CRF) ist KEINE normale Müdigkeit, sie ist nicht durch Schlaf reversibel und steht in keinem Verhältnis zur Aktivität. CRF kann körperlich, kognitiv ('Brain Fog') und emotional auftreten. Sie betrifft 50-90% der Patientinnen während der Therapie und 30-50% noch Jahre danach. Mechanismus: Inflammation, mitochondriale Dysfunktion, neuroendokrine Veränderungen, Anämie.
Mögliche Ursachen prüfen lassen
Eisenmangel und Anämie (Ferritin, Hb messen). Vitamin-B12-Mangel (vor allem unter Metformin oder bei vegetarischer Ernährung). Vitamin-D-Mangel (häufig). Schilddrüsenfunktion (TSH, fT4). Schlafstörungen / Schlafapnoe. Depression, oft von Fatigue ununterscheidbar, aber unterschiedlich behandelbar. Nicht alle vier Werte gleichzeitig, schrittweise vorgehen.
Bewegung, paradox die Nummer 1
Mehr als 30 RCTs (Mustian JAMA Oncol 2017) zeigen: Bewegung reduziert Fatigue effektiver als Medikamente, Pharmaka und Psychotherapie. Auch wenn es total kontraintuitiv ist. Empfohlen: 150 min/Woche moderates Ausdauer (Spaziergang, Schwimmen) plus 2× Kraft. Auch 10 Min. täglich am Anfang reichen. Yoga und Tai Chi haben in RCTs ebenfalls gute Daten.
Ernährung
Eisen-Resorption optimieren: pflanzliches Eisen (Linsen, Spinat) immer mit Vitamin C (Paprika, Beeren, Zitronensaft), verbessert Aufnahme bis zu 4×. Kaffee/Tee NICHT zur eisenreichen Mahlzeit. B12 (Eier, Fisch, Fleisch), bei strikt veganer Ernährung supplementieren. Komplexe Kohlenhydrate statt Zucker-Crash. Ausreichend Protein (1,2-1,5 g/kg KG/d), Sarkopenie verschärft Fatigue.
Was nicht hilft
Mittagsschlaf > 30 Min. (verschlechtert Nachtschlaf). Koffein nach 14 Uhr. Energy Drinks (kurzer Kick, danach tiefer). Ginseng-Hochdosis-Supplemente bei BC nicht ohne Rücksprache (Wechselwirkungs-Daten dünn). Vitamin-Hochdosis-'Energie-Cocktails', keine Evidenz, teilweise problematisch.