Therapie · 6 Min. Lesezeit · Stand: Juli 2026
Der erste Chemo-Tag: was wirklich passiert
Stunde für Stunde, Vorbereitung, Infusion, erste Symptome.
Vor dem Termin
Frühstück: leicht und proteinreich (Joghurt mit Beeren, Hafer). Genug trinken, die Venen sind besser punktierbar wenn du gut hydriert bist. Keine schweren Mahlzeiten: Übelkeit ist eine der häufigsten Akut-Nebenwirkungen. Bequeme Kleidung mit kurzen Ärmeln (oder ärmellos), die Infusion läuft meist 2-4 Stunden, der Arm soll erreichbar sein. Viele Patienten haben zu Beginn der Chemotherapie einen Port (Port-a-Cath), einen kleinen Zugang unter der Haut am oberen Brustkorb. Darüber laufen Infusion und Blutentnahmen, ohne dass jedes Mal eine Armvene punktiert werden muss, das schont die Venen über die Monate der Therapie. Wenn du einen Port hast, sollte auch er gut zugänglich sein: je nachdem wo er sitzt, besser kein enger Rollkragen oder hochgeschlossenes Oberteil, denn die Chemo wird über den Port gegeben. Ob ein Port für dich sinnvoll ist, besprichst du mit deinem Onkologen.
Im Onkologie-Zentrum
Vor jeder Infusion: Blutbild-Check (Leukozyten, Thrombozyten, Hb). Bei zu niedrigen Werten wird die Therapie um eine Woche verschoben, das ist normal und kein 'Versagen'. Vorinfusion mit Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit), Steroiden und ggf. Antiallergika. Erst dann startet die eigentliche Chemotherapie.
Während der Infusion
Du sitzt oder liegst in einem Sessel, 2-4 Stunden je nach Schema. Nimm mit: Buch, Kopfhörer, Wasserflasche, leichte Snacks (Kekse, Apfel). Dein Onkologie-Zentrum hat Decken und Kissen. Bei manchen Schemata (Anthrazykline = rot eingefärbte Infusion) wird in einer schnelleren Runde infundiert; bei Taxanen kann es länger dauern. Wenn du Empfindungen wie Kribbeln, Hitzewallungen, Brustenge spürst: SOFORT Pflegekraft sagen. Manche Zentren bieten während einer Taxan-Infusion eine Kühlung von Händen und Füßen mit gekühlten Handschuhen und Socken an, um einer Polyneuropathie (Kribbeln, Taubheit) vorzubeugen. Die Studienlage ist uneinheitlich: die größte kontrollierte Studie fand keinen klaren Vorteil, kleinere Studien deuten einen möglichen Nutzen an. Fachleitlinien sehen die Kühlung deshalb als optionale Maßnahme mit geringem Risiko, nicht als gesicherten Standard. Wenn du sie ausprobieren möchtest, sprich dein Team an. Nicht geeignet ist sie bei ausgeprägter Kälteempfindlichkeit (Raynaud).
Die ersten 24 Stunden
Müdigkeit ist normal (Antiemetika wirken sedierend). Übelkeit: meist erst nach 8-12 Stunden, kann 2-3 Tage anhalten. Geschmacksveränderungen ab Tag 1 spürbar. Trinken: 2-3 Liter Wasser, um Nieren zu spülen. Iss was geht, auch wenn nicht gesund. Polenta, Bananen, Apfelmus, Hafer-Schleim sind oft besser verträglich als 'normale' Mahlzeiten.
Die folgenden Tage
Tag 3-5: oft der Tiefpunkt (Energie, Übelkeit). Tag 7-10: Leukozyten-Tief, strikte Hygiene, keine Menschenmengen, kein rohes Fleisch/Fisch, keine Schimmelkäse. Tag 14: meist deutlich besser, manchmal schon Rückkehr zu fast normalem Leben. Tag 21: Vorbereitung für nächste Infusion.