Therapie · 6 Min. Lesezeit · Stand: Juli 2026
Antihormontherapie: 5-10 Jahre richtig essen
Tamoxifen und Aromatase-Hemmer, welche Lebensmittel die Therapie unterstützen und welche stören.
Tamoxifen: Was du wissen musst
Tamoxifen ist ein selektiver Östrogenrezeptor-Modulator (SERM), kein Aromatase-Hemmer. Es blockiert Östrogenrezeptoren in den Brustzellen, wird über CYP2D6 (primär) und CYP3A4 zum aktiven Endoxifen umgewandelt. VORSICHT: Hochdosierte Curcumin-Kapseln können den Endoxifen-Spiegel senken (Hussaarts Br J Clin Pharmacol 2019), mit Behandlungsteam abklären; Kurkuma als Gewürz im Essen ist unbedenklich. Grapefruit und CYP-aktive Pflanzen-Konzentrate ebenfalls vorsichtshalber meiden. Soja als LEBENSMITTEL ist sicher und in großen Studien protektiv assoziiert (Shu JAMA 2009, Nechuta AJCN 2012); nur Hochdosis-Isoflavon-Supplemente (>100 mg/Tag) sind nicht ausreichend untersucht. Grüner Tee in Trinkmengen (2-3 Tassen/Tag) gilt als unbedenklich, eine wirksamkeitssteigernde Wirkung ist NICHT klinisch belegt.
Aromatase-Hemmer (Anastrozol, Letrozol, Exemestan)
Diese Medikamente unterdrücken die Östrogenproduktion fast vollständig, und zwar nur postmenopausal (bei prämenopausalen Patientinnen sind AI nur in Kombination mit ovarieller Suppression wirksam, SOFT/TEXT Pagani NEJM 2014). Hauptnebenwirkungen: Gelenkschmerzen und Knochenschwund. KNOCHENSCHUTZ-Pfad: (1) Vor Therapiebeginn DEXA-Knochendichte-Messung; Wiederholung alle 1-2 Jahre. (2) Vitamin-D-Mangel ausgleichen (Ziel ≥30 ng/ml unter AI/Bisphosphonat-Therapie als Knochenschutz, AGO Mamma 2026; eine spezifische BC-Optimal-Range über 30 ng/ml ist nicht durch RCTs belegt, VITAL Manson NEJM 2019). (3) Calcium 1000-1200 mg/Tag, bevorzugt aus der Ernährung (Joghurt, Hartkäse, calciumangereicherte Pflanzendrinks, grünes Blattgemüse, Mandeln). (4) Bei Osteopenie/Osteoporose oder hohem Frakturrisiko: Bisphosphonate (z.B. Zoledronat 4 mg alle 6 Monate), auch adjuvant bei allen postmenopausalen Patientinnen mit frühem Brustkrebs als Mortalitäts-/Knochenrezidiv-Reduktion (EBCTCG-Meta-Analyse Coleman Lancet 2015 PMID 26211824; AGO Mamma 2026 Plus). (5) Krafttraining + Sturzprophylaxe. Omega-3 hat in kleinen Studien eine moderate Wirkung auf AI-induzierte Gelenkschmerzen.
Hitzewallungen unter Anti-Hormon-Therapie
Verhaltensmaßnahmen wirken am verlässlichsten: Schichten-Kleidung, Trigger-Identifikation (Alkohol, Koffein, Scharfes, heiße Getränke meiden). Leinsamen (1-2 EL geschrotet täglich, Lignane) zeigen in Studien einen kleinen Effekt. Bei starker Belastung mit dem Behandlungsteam besprechen, evidenzbasierte Optionen: SSRI/SNRI (z.B. Venlafaxin; ACHTUNG: Paroxetin/Fluoxetin NICHT unter Tamoxifen wegen CYP2D6-Hemmung), Gabapentin, Akupunktur. SALBEI wird NICHT empfohlen, schwach östrogenartige Aktivität in vitro, klinische Wirksamkeit auf eine offene Studie n=71 gestützt, bei HR+ unter Anti-Hormon-Therapie nicht ausreichend abgesichert (AGO Mamma 2026).
Langzeit-Ernährungsstrategie
Die Antihormontherapie dauert 5-10 Jahre. In dieser Zeit ist eine konsequent östrogensenkende Ernährung besonders wichtig: Täglich Kreuzblütler, Leinsamen, Grüntee. Kein Alkohol (erhöht Östrogen um bis zu 10%). Wenig Zucker (fördert Aromatase). Regelmäßige Bewegung (senkt Östrogen und Insulin).